Hilfe meine Patienten googeln

Hilfe meine Patienten googeln

Als Arzt oder Schwester im Klinik Bereich, kennen Sie sicher diese ganz besonderen Patienten, die eigentlich grundsätzlich alles besser wissen und auch alles schon einmal gelesen haben oder gehört. Oft sind diese Patienten "ÜBER" informiert und vermischen echtes Wissen zum jeweiligen Thema, mit "gegoogeltem" Wissen ohne fundierte Diagnosen.  

Mit wenig Mehraufwand, könnten diese Patienten im Gespräch gut abgeholt werden und die Wahrheit von „zu viel Google“ unterschieden werden.Für Mediziner wie Schwestern ist es oft keine leichte Aufgabe, diese Patienten zu betreuen und erfolgreich zu begleiten. 

Es gibt jedoch auch Fälle, in denen der Patient "googelt" weil er das Gefühl hat, das etwas an einer Diagnose nicht stimmt und er könnte Recht behalten.

Fazit:

1. Welche Vorteile hat es den googelnden Patienten und seine Erkenntnisse nicht pauschal abzulehnen? 

2. Warum ist es so wichtig, dass ein Patient einer Diagnose und der damit verbundenen Behandlung voll und ganz zustimmt?

Die wahre Geschichte. 

Frau L. ist Mitte 50 und im gynäkologischen Sinne in den Wechseljahren. Nach einem Jahr ohne Mensis, kehrt diese plötzlich unerwartet und vor allem 4 Wochen lang zurück. Der Besuch beim Gynäkologen ergibt eine Einweisung ins KKH, da der Abbau der Schleimhaut und damit ein Stoppen der Blutung nicht von selbst erfolgt. Frau L. ist guten Mutes und nimmt den als ambulanten und routinierten Eingriff geschilderten Vorgang an und begibt sich ins KKH um diesen durchführen zu lassen. 

Als sie aus der Narkose erwacht, bemerkt Sie als erstes, das Ihre Hände nicht mehr geschwollen sind. Ein Anblick der ihr in den letzten 8 Jahren ein ständiger Begleiter war. Sie freut sich darüber, denn oft hatte Sie vorm Spiegel das Gefühl in einem fat suit zu stecken.  
Im Abschluss Gespräch mit der Ärztin erfährt sie, dass sie während der kurzen OP für viel Aufsehen gesorgt hat. Mit Einleitung der Narkose mit Propofol, kam es zu einem Anstieg des Blutdrucks auf 240/ 120, was fast lebensbedrohlich war.

Die Ärztin empfiehlt dringend den Blutdruck einstellen zu lassen, da es sicher an einem unentdeckten Blut Hochdruck liege. Sie war noch sichtlich ergriffen von der unerwarteten und gemeisterten Gefahren Situation. Frau L. misst daraufhin zu unterschiedlichsten Zeiten und Gelegenheiten den Blutdruck ohne sichtbares Ergebnis eines unentdeckten Hochdrucks. Einzige Ausnahme ist der Verzehr von Nahrung die die Histamin Intoleranz betreffen. Hier ändert sich der Wert fast umgehend. Auch der Hausarzt ist beim Thema Bluthochdruck überfragt.

Wenige Tage später erhält sie den Befund des Gewebes. Durch die Diagnose einer adenomatöse Hyperplasie, mit endometroidem Adenokarzinom, rät die behandelnde Ärztin zu einer kompletten Entfernung. Auf Grund der ungeklärten Probleme in der ersten OP und der nun wesentlich größeren OP in Stepp 2, wird Patientin L. misstrauisch und ist im ersten Erschrecken nicht bereit den Eingriff machen zu lassen. 

Sie braucht Zeit und nimmt sich diese, um Informationen zu sammeln. 

Google ist hier ihre größte Hilfe! Frau L. weiß seit 8 Jahren, dass sie eine Histamin Intoleranz hat. Bisher hat sie diese quasi ignoriert. Was ihr bis dahin nicht klar ist, diese Histamin Intoleranz, ist die maßgebliche Ursache für Ihren fat suit, der eigentlich mit Wasser gefülltes Lymphgewebe ist, und für weitere Symptome wie Herzklopfen und Atemnot! Das Wichtigste erfährt Frau L. jedoch als Sie nach Histamin Intoleranz und Propofol googelt, dem Narkosemittel aus der 1. OP. Ihre ignorierte Intoleranz ist auch Ursache für die heftige und unerklärliche Reaktion auf Propofol! Das Narkotikum ist auf Basis von Soja aufgebaut und dieser wirkt hoch allergen, somit war die Ursache kein Bluthochdruck für die Komplikation bei der ersten OP. Patientin L. googelt weiter und findet unter anderem Hinweise seitens der Charité Berlin, das Patienten mit Histamin Intoleranz Hoch Risiko Patienten im Schmerzmittel und Narkose Bereich sind.  Viele Medikamente lösen eine Abwehr Reaktion des Systems aus, von Herzrasen bis Blut Hoch oder extremen Abfall als eine Art Schock Reaktion. 

Frau L. nimmt alle Unterlagen mit zu den Voruntersuchungen. Mit viel Mühe und trotz schriftlichem Hinweis wiederholt sie Ihre Erkenntnisse jedes Mal und in jeder Abteilung noch einmal mündlich und bittet dringend um Beachtung. Für die Narkose bedeutet das, vorab Anti Histamine zu geben, um eine sichere OP zu gewährleisten. 

Einige der Ärzte sind bereits sichtlich genervt, trotzdem bleibt Patientin L. bei Ihrem Drängen um Beachtung. Irgendwann wird es durch die ständige Wiederholung an allen relevanten Stellen akzeptiert. 
Für eine weniger starke Persönlichkeit, kann der Widerstand oder schlicht die Nicht-Beachtung dieser Hinweise durch die Ärzte zu hohen Komplikationen führen, die hier vermieden wurden.  


Fazit:

1. Welche VORTEILE hat es den "googelnden" Patienten und seine Erkenntnisse nicht pauschal abzulehnen? 

  • Der Patient kann manchmal das Ärzte Team vor Fehlern, wie Komplikationen, die sich im OP nicht immer sofort lösen lassen bewahren. 
  • Der Patient fühlt sich mit seinen Sorgen oder Bedenken angenommen und aufgehoben. 
  • Das Vertrauen ins OP Team ist dadurch wesentlich höher. 
  • Der Patient kennt eigene Symptome am besten und kann seine körperlichen Reaktionen einschätzen. 
  • Er nimmt im angespannten Klinik Alltag ein Stück Arbeit ab, denn er hat ein großes Interesse die OP zu überleben. (Eine ärztliche Überprüfung der Behauptungen ist trotzdem notwendig.)
  • Sie können unerwartet dazu lernen und dieses Wissen bei einem Patienten mit ähnlichen Symptomen verwenden.

 

2. Warum ist es so wichtig, dass ein Patient einer Diagnose und der damit verbundenen Behandlung voll und ganz zustimmt? 

  • Ein Patient ist nur voll und ganz von einem Eingriff oder einer Methode überzeugt, wenn der Arzt die richtigen Argumente und Begründungen liefert. 
  • Auch Therapien anbieten ist eine Art von Verkauf! Sie verkaufen Gesundheit!
  • Es reicht NICHT aus, auf negative Folgen aufmerksam zu machen, gerade, wenn eine OP VORSICHTSHALBER durchgeführt wird. 
  • Ein Patient will seine Einwände oder Erkenntnisse anbringen. Das Annehmen und ggf. vorsichtige korrigieren des Internet Wissens schafft Vertrauen und Akzeptanz zwischen Arzt und Patient und beseitigt die Angst. 
  • Psyche und Physis sind eine Einheit. Sind beide einverstanden findet eine schnellere und unproblematische Heilung statt. 


Patient: "Ohne diese Diagnose, hätte ich mein Leben und meine Ernährung NIE geändert.
Heute weiß ich, dass es lebensnotwendig war, so hart konfrontiert zu werden und
ernähre mich Histamin arm, gesund und treibe wieder aktiv Sport!"

Vielen Dank an das KKH, das hier vorbildlich gehandelt hat und sich nach ersten Missverständnissen,
komplett auf die von der Patientin mitgebrachten Infos gestützt und danach gehandelt hat. 


Ein Patient der sich angenommen und gehört fühlt, ist bereit für die erforderliche Therapie.

Sein Vertrauen ist die beste Empfehlung für das Behandlungsteam und das Krankenhaus.

 

 

Bild: pixabay von William Iven 

Text: COM-INSTITUT

 


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